Ein Welpe kommt ins Haus

Ein Welpe berichtet:
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„Heute bin ich umgezogen in eine neue Familie. Die Zweibeiner haben mich in das Haus gesetzt und selbstständig das Haus erkunden lassen. Das hat mich sehr verunsichert. Was wollen die denn von mir? Mir wäre es wirklich lieber, wenn mir jemand alles zeigt und mir Sicherheit gibt. Aber wenn sie es so wollen, dann erkunde ich eigenständig das Revier. Überall liegt Spielzeug verteilt. Spielzeug kenne ich schon. Mit meinen Geschwistern habe ich schon darum gerangelt und gekämpft. Da habe ich in Zukunft aber wirklich eine Menge zu tun, hier auf alles aufzupassen ...

Von der Autofahrt und den ganzen Gerüchen bin ich wirklich müde. Das merken wohl auch die Zweibeiner und endlich zeigt mir hier mal jemand etwas: Im Flur an der Haustür steht ein Bett, hier darf ich schlafen. Mir fallen auch direkt die Augen zu. Aber nicht all zu lange: Ich muss mal! Zu viel Aufregung hier! Schnell eine weiche Unterlage suchen, wie meine Geschwister und ich das in unserem alten zu Hause gelernt haben. Ach, hier im Wohnzimmer ist es auf dem Boden schön weich. Gerade fertig geworden, kommt ein Zweibeiner angerannt und schimpft. Was ist denn passiert? Habe ich etwas falsch gemacht? Ich habe doch nur das gemacht, was ich gelernt habe! Das verunsichert mich noch mehr. Wo hin denn sonst??

Die Zweibeiner sitzen auf einem Sofa und beobachten mich. Ich möchte doch auch kuscheln. „Ausnahmsweise“ darf ich auch mit hoch (was heißt denn hier ausnahmsweise!?). Weil ich ja noch in der „Eingewöhnungsphase“ bin, sagt der Zweibeiner. Super, hier oben ist es schön weich und warm und die Menschen können auf mich aufpassen.

Bis es dunkel wird erkunde ich noch weiter das Revier und schaue mir alles in Ruhe an. Das ganze Spielzeug habe ich schon mal sicherheitshalber in mein Bett getragen, so kann ich besser darauf aufpassen. Die Zweibeiner haben heute auch mit mir gespielt. Mein Spielzeug wurde durch den Garten geworfen und ich durfte es wieder einfangen und Kekse gab es dafür auch – super! Dann haben wir noch ausprobiert wer der Stärkste ist: Zweibeiner hat von einer Seite an einem Seil gezogen und ich von der anderen. Irgendwann hat er dann aufgegeben, da hatte ich wohl den längeren Atem! Das letzte Spiel fand ich am besten: ein Haufen Leckerlies wurden auf den Rasen geschmissen und ich durfte suchen. Die Zweibeiner sagen, so sei ich wenigstens mal ein paar Minuten beschäftigt.

Die nächsten Tage gehen ähnlich so weiter.

Ich kenn mich so langsam aus in meinem neuen zu Hause. Es ist hier im Haus aber auch manchmal ziemlich langweilig. Hier liegt so viel herum und wenn ich mir eins der Spielzeuge nehme und darauf rum kaue, bekomme ich Ärger. Das verstehe ich nicht. Vieles was hier rumliegt darf zerkaut werden und anderes wieder nicht!? Woher soll ich jetzt nur wissen womit ich spielen darf und womit nicht.

Es erklingt ein komisches Geräusch und alle Zweibeiner rasen zur Haustür. Ok, das Spiel habe ich verstanden. Es geht darum wer als erster da ist – kein Problem. Von meinem Platz aus habe ich ja sowieso eine gute Sicht und nur ein paar Meter bis zur Tür. Oh, da passiert noch mehr: die Tür wird geöffnet und mehr Zweibeiner kommen ins Haus. Super – die haben Leckerlies und Spielzeug für mich. Da lauf ich direkt mal hin und schau wie hoch ich springen kann. Ich werde gestreichelt und alle sitzen mit mir auf dem Boden und spielen – toll! Alle Aufmerksamkeit auf mich, wie sich das gehört. ;) Dann stehen alle auf und gehen ins Wohnzimmer aufs Sofa. Oh ja, da liege ich auch gerne – direkt hinter her! Sehr unsanft werde ich plötzlich vom Zweibeiner runter geschubst – Aua!! Zu den Besuchern sagt er, Hunde gehören nicht aufs Sofa. Das verstehe ich nicht. Vorhin hat er mir doch sogar geholfen, rauf zu kommen? Das ist unfair!!

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Die Zweibeiner wollen mit mir zur Hundewiese. Was das wohl wieder ist!? An mein Halsband wird ein Seil befestigt wie bei dem Spielen. Auf dem Weg zur Hundewiese zeige ich gleich nochmal was ich gelernt habe: Immer in das Seil beißen und zerren, aber diesmal gibt es kein Lob, ich werde sogar geschimpft! Was hab ich denn falsch gemacht? So ging das Spiel doch!? Von weitem kann ich eine große Wiese sehen. Oh je, so viele Hunde. Hoffentlich tun die mir nichts. Lieber erst einmal hinter dem Zweibeiner verstecken. Das war wohl auch wieder nicht richtig. Ich werde nach vorne geschubst und soll mit den andere spielen. Was? Wie? Spielen? Mit Hunden, die nicht meine Geschwister sind, ohne dass jemand auf mich aufpasst wie meine Mama? Das macht mir Angst! Die Zweibeiner haben andere Zweibeiner gefunden und sind mir keine große Hilfe. Ein Vierbeiner nach dem anderen kommt mir viel zu nah, rennt mich um und beschnüffelt mich überall. Was mach ich denn jetzt? Ich werde mal ein Stück mitlaufen und gucken, wer hier der Stärkere ist. Scheint keinen der Zweibeiner zu interessieren.

Endlich kommt einer der Zweibeiner zu mir und wir verlassen die Hundewiese. Gott sei Dank! Keine weiteren Vierbeiner in Sicht, dann erkunde ich erst einmal die Umgebung. Das riecht aber auch alles so spannend. Ach und hier liegt auch Futter rum, so wie bei uns im Garten – lecker. Die Zweibeiner sehen das scheinbar nicht so, ich werde dolle an dem Seil geruckelt, das tut wirklich weh!! Was wollen die denn von mir? In den letzten Tagen sollte ich doch fein säuberlich alle Krümel vom Rasen fressen und heute soll ich sie liegen lassen? Ein Zweibeiner schüttelt meine Schnauze und das Futter fällt wieder raus. Das ist sehr unangenehm und tut weh!

In den nächsten Tagen haben wir weitere Vierbeiner getroffen. Ich habe dann lieber schon von vornherein angezeigt, dass ich gar kein Interesse habe mich mit denen auseinander zu setzen und bin einen Bogen gelaufen. Trotzdem wurde ich von der Leine gelassen und musste mich mit dem anderen Hund beschäftigen. Bei den nächsten Hunden hab ich dann schon ordentlich an der Leine gezogen, denn ich wusste ja was gleich passiert. So ein Spaziergang ist sowieso sehr anstrengend: Überall schnüffeln und das Revier markieren üben und dann diese vielen anderen Hunde und Menschen. Meine Zweibeiner haben mir nicht gezeigt wie ich mich an der Leine verhalten soll. Wenn ich zu den Artgenossen ziehe, weil ich mich ja mit ihnen auseinander setzen soll (die Zweibeiner übernehmen das ja leider nicht), werde ich ziemlich doll an der Leine gerupft. Das ist sehr unangenehm. Die Leine stört aber auch wirklich. Zum Beispiel, wenn ein Hase oder ein Jogger vorbei kommt. Da muss ich doch hinter her - so wie beim Spielen im Garten! Die Leine und der böse Ruck vom anderen Ende hindern mich aber daran. Das ist echt frustrierend!

Ich bin jetzt schon 5 Monate alt!

Mittlerweile bin schon größer und schwerer geworden. Die Zweibeiner sagen, meine Eingewöhnungszeit wäre jetzt vorbei und es würde ein anderer Wind wehen!? Mir ist gar nicht aufgefallen, dass hier überhaupt irgendein Wind weht. Naja, aber ich denke ich habe schon einer Menge gelernt. Habe ja auch wirklich viel zu tun, den ganzen Tag aufzupassen, wo wer hingeht, ob jemand das Revier betritt, Spielzeug und Knochen verteidigen und vieles mehr. Ganz schön viel Verantwortung für einen Hund wie mich ...

Oh die Tür: schnell hin, bellen (muss ja jeder mitkriegen, dass ich der Erste bin und hier jemand in mein Revier will) und warten bis ein Zweibeiner die Tür auf macht. Ahhh, die Kinder sind zurück. Wo waren die denn nur? Haben die wieder ihre Schulbrote nicht gegessen und ich bekomme sie? Warum waren sie so lange weg? Haben sie mir etwas mitgebracht? In einer Turbogeschwindigkeit springe ich an ihnen hoch und wusel umher um Informationen zu bekommen. AUA, was ist denn jetzt wieder? Der große Zweibeiner haut mit der Hand auf meinen Rücken, packt mich am Halsband und zerrt daran, bis ich auf meinem Hundebett stehe. Das tut mir wirklich weh und ist sehr unangenehm! Die letzten Wochen habe ich Neuankömmlinge genau so begrüßt und da gab es keine Strafe. Das ist wirklich UNFAIR und tut weh! Und da wundert ihr Euch noch, warum ich auch nach dem Zahnwechsel weiter in eure Hände beiße, wenn die Hände ständig unangenehme Sachen mit mir machen...“

So oder so ähnlich könnten die Gedanken eines Welpen in den ersten Tagen und Wochen im neuen zu Hause sein. Der junge Hund ist vom Ersten Tag an auf sich gestellt und muss eigene Entscheidungen treffen. Dabei ist es so wichtig, dem Welpen von vornherein positiv klare Regeln zu setzen um ihm Sicherheit zu geben. Denn eine „Eingewöhnungszeit“ ist wirklich nicht fair! Wie soll er verstehen, dass er nach dieser Zeit alles Erlernte wieder vergessen und andere Regeln lernen soll?

Möchten Sie von Anfang an eine gute Beziehung zu Ihrem Welpen aufbauen? Ihm Sicherheit geben und gemeinsam mit ihm aktiv die Welt erkunden? Ihn von Beginn an FAIR erziehen und ihm die Möglichkeit geben ohne Bestrafung aufzuwachsen?

Wir helfen Ihnen gerne dabei!

© Hundemanieren - Lisa Langer 2014