Hundealltag - aus der Sicht eines Hundes

(Fortsetzung von "Ein Welpe kommt ins Haus")

„Da bin ich wieder! Mittlerweile kann ich sogar schon das Beinchen heben. Mache ich auch so oft es die Situation zulässt. Wir haben mindestens 4 Laternen und 6 Bäume auf meiner Straße! Die müssen täglich aufs Neue als MEINS markiert werden. Und dann das ganze Waldstück... Ich sag Euch, es gibt viel zu tun den ganzen Tag! Ich kann Euch ja mal ein bisschen von meinem arbeitsreichen Alltag berichten:

Eigentlich fängt morgens alles damit an, dass ich tierischen Kohldampf habe! Um den Magen schnell voll zu kriegen gibt es einen ganz einfachen Trick – ich tippel so lange mit den Krallen in kleinen Mäuseschritten auf dem Laminat umher und fiepe dabei, bis einer meiner Menschen das Schlafzimmer verlässt und mich füttert (zugegeben, er ist dann nicht gerade gut gelaunt, aber zumindest bin ich dann satt). Das Lustige ist, dass die gar nicht merken, dass ich diesen Trick jeden Morgen ein paar Minuten eher anwende. Wenn sie wüssten, dass ich in der Natur niemals täglich und erst Recht nicht pünktlich Beute bekommen würde... Aber wie ich ja schon sehr früh festgestellt habe, bin ich hier derjenige mit dem längsten Atem!

Danach werde ich in den Garten gelassen und der Zweibeiner geht wieder ins Schlafzimmer. Im Garten kann ich mich erst mal lösen, erst die westliche Richtung des Gartenzauns, dann Norden, Osten, Süden... Dann weiß wieder jeder wer hier wohnt! Es ist unfassbar, da pinkeln die Nachbarshunde doch tatsächlich von außen gegen MEINEN Zaun! Und ich muss mir jeden Tag aufs Neue die Mühe machen, wieder alles über zu markieren. Aber nicht mit mir, meine Lieben... Ich warte oben auf der Terrasse, da habe ich den besten Überblick. Wenn einer zu nah an meinen Zaun kommt, renne ich los und zeige was ich kann: Bellen, Knurren und meine Haare aufstellen! Und das hilft tatsächlich! Meistens verschwinden die Menschen und Hunde schnell von meinem Revier. Wenn ich ganz viel Lust hab, dann trage ich mein Spielzeug noch ein bisschen durch die Gegend oder knabbere weiter am Stamm des Apfelbaums herum. Das unterer Drittel hat schon keine Rinde mehr, bald bin ich durch! Kauen macht richtig Spaß und außerdem beruhigt es mich. Es ist aber auch wieder ein ganz einfacher Trick um Aufmerksamkeit zu bekommen: Wenn ich lang und intensiv genug am Baum herumkaue, kommt meist einer meiner Menschen raus und auf mich zu gerannt und dann geht’s los: Ich renne weg, er hinterher! Fangen spielen macht Spaß und drei mal dürft ihr raten wer den längeren Atem hat J

Wenn wir dann zum morgendlichen Spaziergang aufbrechen hat mein Zweibeiner meist schon sein Handy am Ohr, was für mich so viel bedeutet wie: „Mein lieber Hund, ich habe hier zu tun, bitte kümmere du dich auf der Gassi-Runde um uns zwei!“ – Mir ist zwar nicht wohl bei der Sache und ich würde gerne etwas mehr Verantwortung abgeben, aber ich wurde schließlich wegen meines ausgeprägten will-to-please angeschafft, also sei mir meines Menschen Wunsch Befehl! Anfänglich kümmere ich mich weiter um die Reviermarkierung (wie gesagt – alleine schon 4 Laternen und 6 Bäume auf meiner Straße!), dann kommt ein Mensch auf uns zu. Ich wedele mit der Rute, ziehe zum Menschen und sauge alle Informationen mit der Nase auf, die ich brauche, um einschätzen zu können, ob der Mensch uns gut gesonnen ist, oder ob ich reagieren muss – schließlich trage ich hier die Verantwortung für meinen Menschen und mich! Scheinbar war das aber nicht richtig, ich werde mal wieder heftig an der Leine geruckt. Mein Mensch weiß einfach nicht was er will... Ich mache alles richtig und dafür gibt es Schimpfe – echt unfair!

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Auf dem Hundeplatz ist das ganz anders. Da hat mein Mensch kein Telefon am Ohr und ist auch sonst: Wenn ich etwas richtig mache (aus seiner Sicht jedenfalls), dann bekomme ich einen Keks! Klar, dass ich das schnell verstanden habe und alles brav mit mache! Hier ziehe ich auch nicht an der Leine, auch nicht zu den anderen Hunden. Warum? Na weil ich hier mal die Verantwortung an meinen Menschen abgeben darf. Er ist mit seiner Aufmerksamkeit bei mir, also bin ich es auch. Außerdem werde ich nicht geschimpft und an der Leine geruckt sondern bekomme für mich klar verständliche Anweisungen und werde bekekst! Toll! Und trotzdem werde ich nach dem Hundeschulbesuch immer „Platzidiot“ genannt. Verstehe gar nicht wieso... Er ist doch der Idiot, wenn er es nur ein mal die Woche schafft, sich auf mich zu konzentrieren..

Haben wir dann unsere Runde beendet, hau ich mich erst mal ins Körbchen. Ich habe aber immer ein wachsames Auge auf meine Umwelt! Irgendwann in den nächsten Minuten müsste der Postbote kommen. Unglaublich dieser Mann... Betritt täglich aufs Neue mein Grundstück, obwohl ich immer wieder deutlich mache, dass mir das nicht passt. Lange lass ich mir das nicht mehr gefallen. Mehr als im Vorfeld drohen kann ich nicht!

Irgendwann kommen die Kinder nach Hause und spielen im Garten. Das ist immer ein Gewusel. Alle laufen umher, zwischen meinem Spielzeug, in meinem Garten, ich weiß gar nicht wo ich zuerst hingucken soll. Wenn mir das zu bunt wird, packe ich sie aus dem Laufen heraus hinten an der Jacke und bringe sie zum stehen. Einer muss hier ja die Kontrolle behalten. Der große Zweibeiner steht auf der Terrasse und zeigt der Nachbarin, wie schön die Kinder und der Hund miteinander spielen. Mir wäre es wirklich lieber, wenn er hier mal die Verantwortung übernimmt und mich das nicht alles alleine regeln lässt! Aber scheinbar weiß er auch nicht wie...

Am Abend gehe ich wieder mit meinem Menschen die alltägliche Gassi-Runde. Es ist schon dunkel, das bedeutet für mich doppelte Vorsicht. Im Dunkeln bin ich immer noch etwas unsicher, da passe ich ganz besonders gut auf meinen Menschen und mich auf! Hinter uns kommt ein Mensch mit Hund, der pinkelt doch tatsächlich ÜBER meine fein säuberlich ausgearbeiteten Markierungen (also der Hund... nicht der Mensch)! Ich fasse es nicht – ich drehe ich mich alle paar Sekunden um, den gucke ich mir jetzt mal genauer an. Vorsichtshalber ducke ich mich schon mal etwas und stelle mein Nackenfell auf. Mein Gegenüber tut das auch! Der will sich also tatsächlich mit mir in meinem Revier anlegen?? Da schaltet sich mein Mensch ein: Ich werde mal wieder an der Leine gezerrt auf die andere Straßenseite, zum anderen Zweibeiner sagt er „Ach der will nur Spielen, da legt er sich immer vorher auf den Boden“! Was, wie bitte?! Spielen? Ich? Alles was ich will ist mein Revier und meine Ressourcen sichern und diese zur Not verteidigen, mit spielen hat das relativ wenig zu tun... Na warte... wenn wir uns morgen ohne Leine auf der Hundewiese treffen... Zu Hause falle ich dann ziemlich müde ins Bett. Tagsüber kann ich nie so richtig tief schlafen, weil ich immer wachsam sein und aufpassen muss.

Beim nächsten Mal erzähle ich Euch dann von meinem ersten Urlaub und meinem Schulwechsel, ich soll nämlich kein „Platzidiot“ mehr sein, sagt mein Zweibeiner... Gute Nacht!“

 

Kommen Ihnen die Verhaltensweisen des jungen Hundes bekannt vor? Kein Hund macht absichtlich etwas falsch. Er handelt immer artgerecht. Wir helfen Ihnen gerne, Ihren Hund zu verstehen und ihm die Sicherheit zu geben, die er braucht um ein stressfreies Hundeleben leben zu dürfen. Wenn wir als Mensch nicht aktiv die Verantwortung für unseren Hund übernehmen, dann tut er es und das ist oft das, was wir eigentlich nicht wollen! Nehmen Sie gerne Kontakt zu uns auf, wir freuen uns auf Sie!

© Hundemanieren - Lisa Langer 2014