Von Platzidioten, Kissenschlachten und wie plötzlich das Rudel Kopf steht

Fortsetzung von "Ein Welpe kommt ins Haus" und "Hundealltag - aus der Sicht eines Hundes

„Hallo zusammen. Heute lasse ich mal wieder von mir hören. An meinem Alltag hat sich noch nicht viel geändert: Ich habe einen Haufen Arbeit damit, auf das Zweibeiner-Rudel und unser Territorium aufzupassen. Wir gehen die üblichen Wege spazieren, es wird fast ununterbrochen an meiner Leine gezuppelt (keine Ahnung wieso und was ich anders machen soll), wenn die Leine mal ab ist, jage ich Kaninchen und Eichhörnchen und versuche einigermaßen unbeschadet die Hundewiese zu überleben. Mittlerweile bin ich schon fast 2 Jahre alt und nun Chef in unserer Straße. Wenn mir schon von weitem jemand entgegen kommt, knurre, belle und zerre ich vorsichtshalber schon mal an der Leine. Ich habe schließlich gelernt: Angriff ist die beste Verteidigung. Außerdem drückt mir Herrchen den Hundekontakt á la „Na los, geh mal hallo sagen“ nicht auf, wenn ich im Voraus schon Randale mache. Das mit dem erfolgreichen Handeln habe ich ganz gut im Griff. Im Prinzip wäge ich in jeder Situation ab, mit welcher meiner Handlung ich den größten Erfolg habe. Wenn ich am Gartenzaun zum Beispiel möglichst laut belle, hin und her renne und springe, dann gehen die Menschen ganz schnell am Zaun vorbei und verschwinden aus meinem Revier: je lauter ich bin, desto schneller werde ich die Eindringlinge los. Sehr erfolgreich - meiner Meinung nach! 

Auf dem Hundeplatz (Ihr erinnert euch? Einmal die Woche schafft es Herrchen, sich für ne ganze Stunde auf mich zu konzentrieren) hat sich nicht so viel getan. Wir springen über Hürden und machen etwas, was sich Unterordnung nennt. Also ehrlich Dieses Wort schon alleine. Erst drücken sie mir die ganze Verantwortung aufs Auge auf alles und jeden aufpassen zu müssen und dann soll ich mich unterordnen?! Aber gut, Herrchen zu Liebe mache ich das. Er versteht nur nicht, warum ich das zu Hause nicht umsetze. Wie gesagt - wer ist hier der Platzidiot!? Allerdings glaube ich, dass es ihm langsam dämmert, dass das irgendwie nicht der richtige Weg ist.

Mit meinem Rudel habe ich aber auch etwas ganz spannendes erlebt! Wir waren im Urlaub!! So richtig mit Meer und Sand. Das war toll. Die Zweibeiner hatten glücklicherweise auch mein Spielzeug eingepackt, das dann täglich mit zum Strand geschleppt wurde. Eigentlich war das ganz ok mit den ganzen anderen Hunden am Strand. Mir war das einfach alles viel zu viel, sodass ich hier keinen auf Angriff ist die beste Verteidigung gemacht habe. Allerdings ist es mir einmal zu bunt geworden: All mein Spielzeug lag auf einem Haufen, aber weil ich ja nicht mit allem aufeinmal spielen kann, bin ich nur meinem Lieblingsball hinterher gelaufen. Auf dem Rückweg aus dem Wasser sehe ich dann, dass sich da ein anderer Hund tatsächlich an meinem Spielzeug bedient!! Hallo?? Da stehen die Zweibeiner schon direkt daneben und passen nicht mal auf? Muss ich auch noch im Urlaub die ganze Arbeit machen? Bin natürlich gleich hin und hab dem erstmal gezeigt wer hier der Boss ist. Fand Herrchen weniger lustig. Aber wenn er sich nicht kümmert, muss ich es ja tun. Nach ein paar Tagen im Ferienhaus hatte ich dann schon alles fein säuberlich markiert (konnte ja nicht wissen, dass wir nur 2 Wochen bleiben). Wir waren viel unterwegs und auch oft in Restaurants. Ich durfte aber nur zwei Mal mit, weil ich den Nachbartisch markiert habe. Fanden die Zweibeiner wieder nicht lustig. Ich sorge hier für unserer Revier und was bekomme ich zum Dank? Ich werde alleine gelassen! Das hat mich wieder etwas nervös gemacht, irgendwie ist es dann mit mir durchgegangen und ich habe eine Kissenschlacht im Wohnzimmer gemacht. Als die Zweibeiner nach Hause kam, wurde heftig gebrüllt und Herrchen hat mir auf die Nase gehauen. Eins sag ich euch: Kommt der mit seiner doofen Hand noch ein mal in Richtung meiner Nase, dann schnapp ich sie mir, bevor er zuhauen kann!!

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Als wir wieder zu Hause waren, hab ich mich um die Reviermarkierung gekümmert und auch um alles andere - wie immer. An einem Abend ist Herrchen nochmal mit mir raus gegangen. Da kam uns ein anderer Zweibeiner entgegen. Da es dunkel war, habe ich schon mal geknurrt, nur zur Warnung selbstverständlich! Ich wollte gerade wuffen, da hält Herrchen mir den Fang zu und zischt irgendwas von Mist! Das ist mein Chef! Kannst du dich wenigstens dieses eine mal benehmen!?. Da hat er es schon wieder getan! Dieses Zudrücken meiner Schnauze kann ich gar nicht leiden. Es tut mir weh und ich verstehe nicht was ich falsch gemacht habe. Ich bin nun aber achtsamer: kommt mir das nächste Mal eine Hand entgegen, schnappe ich gleich zu. Das habe ich dann auch direkt am nächsten Tag bewiesen, dass ich das kann. Danach war ziemlich schlechte Stimmung im Rudel. Zweibein-Frauchen hat geheult wie ein Schoßhündchen und sich mit Zweibein-Herrchen böse gestritten. Dann wurde diskutiert, telefoniert, wieder diskutiert und irgendwann bin ich mit den Worten eingeschlafen Ab morgen sieht die Welt schon anders aus!

Am nächsten morgen war ich sehr gespannt auf die Welt. Also für mich sieht hier alles gleich aus. Aber irgendetwas war doch anders. Heute morgen sind wir einen großen Bogen um die Hundewiese gegangen und als wir wieder zu Hause waren, kam auch noch Besuch. Frauchen hat gesagt, ich soll mich ruhig benehmen wie immer, damit der Besuch sieht wie ich wirklich bin! Und Leute was soll ich sagen? Die Zweibeiner hatten Recht: Seit diesem Morgen sieht die Welt wirklich anders aus! Mir wurde anfangs sehr viel weggenommen: Spielzeug, Kauknochen, meine Freiheit mich unangeleint überall bewegen zu dürfen, meine Freiheit jeden 2. Baum anzupinkeln und vieles mehr, aber das Beste: Mir wurde auch meine Verantwortung genommen! Diese tragen nämlich mittlerweile die Zweibeiner! Und nicht nur das: Mit der Zeit habe ich all meine Freiheiten wieder bekommen. Ich spiele jetzt gemeinsam mit meinen Menschen, kann im Garten rennen ohne das Grundstück zu sichern und zu verteidigen. Ich kann sogar tagsüber richtig fest schlafen! Warum? Weil die Zweibeiner nun auf uns aufpassen. Ich muss hier nicht mehr alles alleine entscheiden. Wenn Eindringlinge an der Tür klingeln, dann zieh ich maximal ein Augenlid hoch. Ich schlafe weiter, weil ich mich nicht mehr kümmern muss! Mir wird nicht mehr aufgezwängt mit rudelfremden Hunden Kontakt aufzunehmen und die Zweibeiner stellen sich sogar dazwischen, wenn wieder ein fremder angeschossen kommt, obwohl wir seitdem doch die Hundewiese immer vermeiden. Am Anfang habe ich euch doch von dem erfolgreichen Handeln erzählt? Das haben sich meine Menschen zu Nutze gemacht. Immer wenn ich wieder etwas alleine entscheiden wollte (zum Beispiel die doofe Nachbarskatze zu jagen), haben sie mich nicht gelassen, sondern mit eine tolle Alternative angeboten. Zum Beispiel einen Keks. Und weil Futter nun mal super ist und ich immer erfolgsorientiert handle, entscheide ich mich nun in solchen Situationen für meinen Menschen (obwohl ich die doofe Katze immer noch nicht sonderlich mag).

Ihr fragt euch sicherlich, wer denn dieser Besuch war, der unser Rudel auf den Kopf gestellt hat? Hier ist die Antwort ;-)

Bis zum nächsten Mal!"

© Hundemanieren - Lisa Langer 2014