Wenn Vermenschlichung zum Problem wird

Unsere Hunde leben mit uns auf engstem Raum. Im besten Fall in unserem zu Hause, ohne Stall oder Zwinger. Sie sind ein Teil unserer Familie und nicht umsonst „der beste Freund des Menschen“. Die emotionale Gebundenheit an einen Hund veranlasst uns Menschen oft dazu unseren Hunden Emotionen und Verhaltensmuster zu unterstellen, die sie in keiner Weise erfüllen. Wir unterstellen ihnen eine menschliche Persönlichkeit.

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Ob ein Hund nun einen Regenmantel braucht, unbedingt die neusten Spielzeuge auf dem Markt und einen auf sein Halsband farblich abgestimmten Wassernapf, sei mal dahin gestellt. Das Verwöhnen eines geliebten Familienmitgliedes stellt an sich kein Problem dar. Die Vermenschlichung wird allerdings zum Problem, wenn wir anfangen menschliche Verhaltenszüge von unserem Hund zu erwarten.

Wenn ein Hund unser neues Paar Schuhe zerkaut, tut er dies nicht aus Boshaftigkeit und Rache, weil wir ihn heute früh 2 Stunden alleine gelassen haben. Kein Vierbeiner handelt entgegen seiner Natur und diese beinhaltet keineswegs Emotionen wie Rache oder vorsätzliches Handeln. Die Folge unserer Gedanken sind oft ungerechte Strafen für den Hund, da dieser (aus unserer Sicht) schließlich aus reinem Trotz unsere Schuhe angefressen hat. Davon abgesehen, dass Strafe in keiner Hundeerziehung etwas zu suchen hat, ist schon allein die Absicht, die von Menschenseite aus dahinter steht, unfair und falsch. Wir haben nicht das Recht ein Lebewesen für sein artgerechtes natürliches Handeln zu bestrafen. Wir müssen lernen sein Handeln zu verstehen und können ihm positive Alternativen aufzeigen, die unseren Alltag umgänglicher machen.

Wenn Menschen nach Hause kommen zu ihrem Vierbeiner, ähnelt das Begrüßungsspektakel oft einer überschwänglichen Freude als hätte der Hund gerade seine Prüfung zum Drogenspürhund bestanden. Dabei war er einfach nur eine halbe Stunde alleine zu Hause.  Da wir ihn aber vermisst haben und uns freuen ihn wieder zu sehen, erwarten wir das auch von unserem Vierbeiner und unterstellen ihm, er hätte uns unendlich lieb und freut sich unheimlich uns zu sehen. Hunde, die ebenfalls ein Begrüßungsspektakel veranstalten, tun dies nicht aus oben genannten Gründen sondern in den meisten Fällen geht es ihm darum zu erschnüffeln wo wir gewesen sind, ob wir nun endlich Gassi gehen, ob wir Futter dabei haben. Er kontrolliert uns, checkt ab und hat ganz einfach eine Erwartungshaltung uns gegenüber. 

Wenn wir uns also bewusst machen, dass Hunde nunmal hündisch denken, dass ihre Bedüfnisse andere sind als unsere, dann stellt die Vermenschlichung in Form von Geburtstagsgeschenken oder einer Halsbandgarderobe (mehr gefüllt als der eigene Kleiderschrank) kein Problem dar. Aber viel wichtiger als jegliches Spielzeug und teures Designerhalsband ist die Bindung zu unserem Vierbeiner, das Vertrauen und die Sicherheit, die wir ihm geben und die Zeit die wir mit ihm verbringen!

© Hundemanieren - Lisa Langer 2014